Freitag, 11. Januar 2008

Kapitel 3

Er musste das tun. Er musste das einfach tun.
Das jedenfalls sagte er sich mit jedem Schritt, den er durch die dunklen Gänge eilte, ja fast schon hastig rannte. Ab und an erhellte ein schmaler Lichtschein die um ihn liegende Dunkelheit und den vor ihm liegenden Weg, sodass er alle paar Meter einen Bruchteil der Umgebung wahrnehmen konnte. Zum Glück, denn so gut kannte er sich hier nicht aus. Wie oft war er hier gewesen? Viermal, fünfmal? Er verwarf den Gedanken und konzentrierte sich lieber darauf den richtigen Gang zu finden.
Regentropfen rannen seine Stirn hinunter. Oder war es Schweiß? Er blieb einen Augenblick stehen, um sich mit seinem Ärmel die Tropfen wegzuwischen und sich gleichzeitig zu orientieren. Auch jetzt staunte er wieder über die Größe und Verwinkelung dieses Gebäudes. Irgendwo hier musste die Tür sein, durch die er vorher dieses Labyrinth betreten hatte.
"Verdammt!"
Er ging ein paar Schritte zurück - schaute nach rechts, nach links - da war sie. Langsam ging er zu ihr hin. Er wollte sich beeilen, doch er war außer Atem und irgendwie musste er es schaffen, einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Schnell kontrollierte er, ob der Anzug noch richtig saß und hoffte, dass keine auffälligen Flecken zu sehen waren.
Langsam zählte er bis zehn. Dabei atmete er zweimal tief ein und aus. Der Griff der Klinke war kalt, die Luft, in die er eintrat, war warm und abgestanden.
"Ich musste das tun."
"Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher."

Dienstag, 28. August 2007

Kapitel 2

„Und Sie sind sich ganz sicher, dass sie eine Leiche gesehen haben?“ fragte Kommissarin Mary Madison McMalan die Zeugin.
„Ja. Ganz sicher. Ich bin doch nicht völlig bescheuert. Sie lag da auf dem Boden. Auf dem Rücken. Ich hab es deutlich gesehen.“ Die Zeugin gestikulierte wild in die Richtung des leeren, nassen Hofabschnitts den die Polizeibeamten jetzt feinsäuberlich mit leuchtendem Absperrband eingekreist hatten. Mehr als eine Regenpfütze war dort nicht zu sehen.
„Und es handelte sich um eine männliche oder eine weibliche Leiche?“ Mary Madison McMalan hob ihren Kopf um die Zeugin durch ihre Brille, die ihr auf die Nasenspitze gerutscht war, zu begutachten.
„Eine männliche. Ganz sicher. Er hatte einen Bart und trug einen Mantel.“
„Aha.“ Mary Madison McMalan kritzelte ein paar Stichworte auf ihren Notizblock. Für einen Augenblick hörte sie auf, auf ihrem Kaugummi herum zu kauen. Eigentlich kaute sie immer Kaugummi. Sie hoffe das Kaugummikauen würde ihr die - wie sie dachte - für den Polizeidienst nötige Coolness verleihen. Sie war Anfang Dreißig und sehr klein, weswegen sie überall nur „Mini“ genannt wurde. „Mimi“ hätte ihr persönlich besser gefallen. Sie war sehr stolz auf die vielen M’s in ihrem Namen und ließ keine Gelegenheit ungenutzt sich mit ihrem gesamten Namen vorzustellen.
„Erinnern Sie sich sonst noch an etwas, was uns weiter helfen könnte?“ fragte die Kommissarin ohne von ihrem Block aufzublicken.
„Ich glaube, der Leiche fehlte ein Schuh,“ meinte die Zeugin nach kurzem Zögern.
Mini McMalan blickte überrascht auf. „Der Leiche fehlte ein Schuh?“
„Ja. Sag ich doch! Ich erinnere mich genau an eine rot geringelte Socke.“
„Aha.“ Wieder flog der Kugelschreiber über das Papier des Notizblocks. „Gut... wenn das alles war, dann können Sie jetzt gehen.“
Mini McMalan kehrte zu Hauptkommissar Hunter zurück der unter seinem schwarzen Dienstregenschirm den Tatort inspizierte.
„Also wenn Sie mich fragen, Herr Hauptkommissar, spielt sich die Transe nur auf. Ich sehe keine Anzeichen dafür dass hier überhaupt ein Verbrechen stattgefunden hat.“ Sie schob sich einen neuen Kaugummi in den Mund und belächelte die Regentropfen die sich in der abgesperrten Pfütze sammelten.

Samstag, 25. August 2007

Kapitel 1

Es war gegen einundzwanzig Uhr und die Theaterbesucher waren nach der Pause gerade wieder in den Saal zurückgekehrt als die junge Frau durch die Hintertür auf den schlecht beleuchteten Hinterhof des Theaters hinaustrat. Sie arbeitete für den Cateringserice und wollte sich eine kleine Zigarettenpause gönnen. Schon den ganzen Abend regnete es in Strömen.
"Scheiß Tag!" zischte sie in einer hohen dünnen Stimme, und lehnte sich müde an die Hauswand, um ein bisschen Schutz vor dem Regen zu haben. Sie war groß und schlank, um nicht zu sagen dürr und ihre Art sich zu schminken erinnerte stark an einen Travestiekünstler. Sie ließ die Zigarette zwischen ihren langen Fingern wippen als ob sie über etwas nach grübelte. Schließlich schnippte sie die Kippe in die nasse Finsternis vor sich. In diesem Augenblick glitten ihre Augen über die von der Feuchtigkeit glänzenden Pflastersteine zu einem unförmigen etwas, das in einigen Metern Entfernung auf dem Boden lag. In der Dunkelheit des Hinterhofs konnte die Frau kaum etwas erkennen. Neugierig zog sie die Eingangstür einen Spalt weit auf und ließ das Licht der Neonröhre im Flur auf die undefinierbare Gestalt fallen.
"Oh mein Gott!" Sie riss die Tür noch ein Stück weiter auf und rannte panisch zurück in das Theatergebäude.

Vorwort

Der Mörder ist also immer der Gärtner?
Ganz sicher?

Der Krimi gilt als Königsdisziplin moderner Pausenliteratur. Was wäre diese Welt ohne Sherlock Holmes, Miss Mapel oder Phillip Marlowe? Sie wäre sicher nur halb so spannend. Aber viel spannender als einen Krimi zu lesen ist es doch einen zu schreiben.

Hier ist also das Konzept:
Drei Autoren in drei Städten.
Eine Geschichte und ein Mord.
Keine Absprachen und niemand weiß wer wirklich der Mörder ist...